"Und irgendwann blicken unsere Augen aus Fotos und meinen doch eigentlich die Zukunft!" (Kathrin Rosi Würtz, 2008)
Kein Foto dieser Welt wird jemals vollendet sein. Das liegt ganz offensichtlich am Betrachter. Daran wird auch keine noch so großflächig angelegte Fotoanalyse von ernsthaften Soziologen etwas ändern. Die Bedeutung des Fotos hängt vom Betrachter ab und seiner Situation in Raum und Zeit!
So, genug der soziologischen Gedankenmacherei! Warum schreibe ich eine Hommage an die Fotografie? Ja, aus purer Freude und der dringenden Notwendigkeit dem Lichtschreiben auch meine tiefste Verehrung auszudrücken.
Kameras und ihre Wunderwerke begleiten mich schon ein ganzes Leben. Nun gut, das scheint heutzutage nichts außergewöhnliches zu sein. Doch der Moment des Fotomachens gehört ganz mir und hat oft eine mit meinem Inneren verknüpfte Bedeutung. Ich suche mir mein Motiv aus, den Ausschnitt des Lebens, der mich bewegt, den Auslöser zu drücken und kurz inne zu halten.
"Es kommt nicht auf die Technik an, sondern auf den Menschen, der hinter der Kamera steht!" (mein Lehrer von der Foto-AG am Sankt Adelheid Gymnasium, 1995)
Dieser Satz beeinflusst mein ganzes fotografisches Handeln. Als neugierige Schülerin frage ich kritisch, ob das wirklich immer so ist. Und so bin ich der Meinung, dass ein berührendes Foto tatsächlich auch mit einer einfachen Lochkamera geschossen werden kann. ABER: Es gibt Situationen, in denen eine robuste, technisch hoch ausgereifte Kameraausrüstung, Emotionen und Eindrücke eines Fotografen gezielter einfangen kann.
Zu diesem Entschluss kam ich, als ich das Foto von einem Lavasee gesehen habe. Expeditionsfotografin Ulla Lohmann, die dieses Foto machte, erzählte in einem Interview unter welchen extremen Bedingungen sie arbeiten musste. Ein Foto braucht manchmal eben doch auch die entsprechende Technik.
ABER: Es gibt eben auch die Situationen, in denen die Kameratechnik eine untergeordnete Rolle spielt und der Augenblick schneller vorbei ist als man tatsächlich denken kann. So geschehen 2003 während einer BWL-Vorlesung an der Uni Bonn, die ich erfolgreich geschwänzt habe. Das Beweisfoto habe ich selbst direkt vor dem Unihauptgebäude mit meiner Webcam: Plötzlich tauchte ein Pulk von Menschen auf der Straße auf und wer stand vor mir: Michail Sergejewitsch Gorbatschow höchstpersönlich.
Ich drückte reflexartig auf den Auslöser und im nächsten Moment drückte mich sein Bodyguard zur Seite. Das Foto lehrt mich auch heute noch, dass es sich lohnt, auch mal die "schlechte" Qualität manch eines Gerätes zu vergessen und draufzuhalten.
Und so mache ich mich immer wieder auf ins Siebengebirge, mal mit einer einfachen Kamera und manchmal auch mit meiner Spiegelreflex, die ich mir damals von meinem ersten Gehalt an der Uni gekauft habe. Mit offenen Augen durch die Welt zu wandern: einfach wunderbar!
Und so wie diese Hommage mit einem Zitat anfängt, so endet sie auch mit einem Zitat:
"Von dem, was ist und was bleibt, ist eine Fotografie die reinste Form des Lichstrahls, der direkt aus dem Herz des Fotografen kommt!" (Kathrin Rosi Würtz, 2007)
Theatralischer kann ich es kaum formulieren! In diesem Sinne, hoch die Kameras und prost auf die Kunst des Lichtschreibens!
Kathrin Rosi Würtz, 2016
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